Die (Formen)Sprache der Architektur
Ich kann über Architektur sprechen, schreiben, dichten, meine eigenen Worte finden. Manchmal finde ich aber nicht die passenden Worte. Ich verwende Papier und Bleistift, um meine Eindrücke zum Ausdruck zu bringen, aber es entsteht kein Text, sondern eine Skizze, die alles sagt. Und manchmal kann ich mich am besten ausdrücken, wenn ich etwas baue. Ich verwende Bau-steine, ich kann auch einen Text bauen. Aber die Architektur spricht auch zu mir: Sie erzählt eine Geschichte, meistens eine spannende. Architekten sprechen auch von Formensprache. Eindrücke und Erfahrungen werden in eine bestimmte Form umgesetzt, und diese sagt wieder etwas aus. Wir können manchmal aus einer Form den Inhalt und die Funktion ablesen.
Die Architektur Günther Domenigs (1934 – 2012) – besonders sein Steinhaus am Ossiacher See – sorgt schon seit seinen schöpferischen Anfängen für heftige Diskussionen. Vieles wurde erzählt, manches wurde verschwiegen, etliches wurde schöngeredet. Und noch lange ist nicht alles gesagt.  Anlässlich seines 10. Todestages kommen Schüler*innen zu Wort.

Der Ausdruck „Formensprache“ impliziert bereits einen wesentlichen Zusammenhang zwischen Architektur und Sprache: eine räumliche Form des Ausdrucks. Im Entwurfsklassiker „Learning from Las Vegas“ bezeichnen Denise Scott Brown und Robert Venturi „sprechende“ Gebäude als „duck“. Am sieht ihnen im Gegensatz zu den „decorated sheds“ bereits an ihrer AUSDRUCKSstarken Form ihre Funktion an. Andere Gebäude „schreien“ sogar stolz „I am A Monument!“ (vgl. Venturi, Scott Brown)
Günther Domenigs Gebäude erzählen ihre eigenen Geschichten – autobiografisch, landschafts- und herkunftsbezogen, gestalterisch, zukunftsweisend – und sehr persönlich. Wie auch Domenig selbst ein großer Geschichtenerzähler war – anekdotisch und poetisch. Er pflegte seinen Gebäuden und Gebäudeteilen Namen zu geben, sprechende Namen, denn „Huckpack“, „Hoher Weg“ oder sogar „Arsch“ (Auswahl aus Gebäudeteilen im Steinhaus) lassen ahnen, woher die Bezeichnung kommt.

Als Einstiegsprojekt im Deutschunterricht gestalten die SchülerInnen „Bücher in der Schachtel“, in denen sie Inhalte von (Jugend)büchern in eine räumliche Modellsituation bringen. Mittels einfacher aber wirkungsvoller Aufgaben versuchen sie in den folgenden Wochen, unterschiedliche Begriffe in Skizzen und Modellen auszudrücken und in eine Form zu bringen. Der Besuch im Domenig Steinhaus bietet Anregungen für weitere Texte und Skizzen, die schließlich im „Salon Inge“ im Rahmen der Bachmanntage im Co-Forum vor dem Architektur Haus Kärnten öffentlich präsentiert werden.

Programm Salon Inge

Ein Projekt im Rahmen von culture connected und Günther Domenig: DIMENSIONAL unterstützt von OeAD, Domenig:DIMENSIONAL, BM:BWF, Land Kärnten, Architektur Haus Kärnten.

Fotos
Christine Aldrian-Schneebacher